Wie der Specht sich seinen Schnabel verbog

Bild: Gerhard Gellinger/Pixabay

Ein schöner, aber eingebildeter Specht, den kein Tier leiden mag, lernt worauf es im Leben wirklich ankommt: Freundschaft! Leider muss er dafür einen hohen Preis zahlen! […]

Von Elke Woitas

In einem Wald wohnte einmal ein wunderschöner Specht, der immer ein wenig eitel und eingebildet war. Er hatte prachtvolle Federn und einen besonders schön geformten Schnabel, so dass er sich stets für etwas Besseres hielt. Die anderen Tiere im Wald fanden das Verhalten des Spechtes nicht richtig und mochten ihn daher überhaupt nicht. Noch dazu war dieser wunderschöne Specht ein wahrer Störenfried, denn er fing immer an Löcher in die Bäume zu hacken, wenn die anderen etwas Ruhe haben wollten. Er tat das, einfach weil er sich für etwas Besonderes hielt und daher anders sein wollte.

Die übrigen Tiere mochten ihn daher bald nicht mehr leiden. Der Specht aber bemerkte gar nicht, dass er ganz alleine war und sich keiner mit ihm unterhielt. Alle Tiere mieden ihn. Eines Tages meinte er zu sich selbst, „Ich muss doch eigentlich nicht wie ein gewöhnlicher Specht mit meinem schönen Schnabel in ganz gewöhnliche Bäume klopfen. Ich werde mir etwas Besonderes suchen!“

Bild: Markus Distelrath/Pixabay

So flog er aus dem großen Wald heraus Richtung Stadt. Als er eine ganze Zeit geflogen war, sah er einen großen, grauen Mast. Dieser war so groß, dass es aussah, als ob er in den Himmel ragen würde. Am oberen Ende waren viele Schnüre befestigt, die nach links und rechts ragten und deren Ende nicht zusehen war.
„Dieser Baum ist etwas Besonderes, genau wie ich!“, dachte der Specht. Er krallte sich am Mast fest und fing an mit viel Kraft in den Baum zu hacken.
Aber, oh weh! Der Specht schüttelte vor Schmerz seinen Kopf und konnte nicht verstehen, dass sein Schnabel kein Loch in diesen merkwürdigen Baum picken konnte. Der Schnabel tat ihm erbärmlich weh und in seinem Kopf pochte es wild.

Während er noch den seltsamen grauen Baum betrachtete und überlegte was er falsch gemacht haben könnte, kamen einige Spatzen angeflogen und ruhten sich auf den gespannten Drähten aus. „Hey, was ist denn mit deinem Schnabel passiert? Warum ist er so schief?“ fragte ein Spatz den eingebildeten Specht. „Was! Mein Schnabel ist schief?“, fragte der Specht entsetzt.

Er erzählte den kleinen Vögeln, dass er versucht hatte, in diesen grauen Baumstamm ein Loch zu hacken, doch es sei ihm leider nicht gelungen. Die Spatzen lachten und einer antwortete ihm, „Kein Wunder, dass Du nicht in diesen Baum hacken kannst. Das ist kein Baum! Den Mast haben die Menschen gemacht, der ist aus Stahl und Beton, da kommt kein Schnabel durch!“

Der arme Specht hatte doch tatsächlich einen Hochspannungsmast für einen Baum gehalten. Traurig betrachtete er den Mast und stellte fest, dass er keinen Grund gehabt hatte, sich für etwas Besseres zu halten, da er noch nicht einmal wusste, was ein richtiger Baum ist. Wäre er doch nur nicht so eingebildet gewesen, dann hätte er immer noch seinen schönen Schnabel und nicht solche Schmerzen im Kopf
„Ich traue mich gar nicht mehr in den Wald zurück!“, rief er den Spatzen leise zu, „Die anderen Tiere lachen mich bestimmt voller Schadenfreude aus!“ „Das glauben wir nicht!“, antworteten die Spatzen, „Komm, wir fliegen mit Dir.“

Malvorlage

So flogen die Vögel gemeinsam in den großen Wald zurück und die Spatzen behielten recht. Jedes Tier, dem sie begegneten, hatte Mitleid mit dem armen Specht und seinem verbogenen Schnabel. Die Tiere versuchten den Specht zu trösten und erst jetzt bemerkte der Specht, wie schön es war in einer Gemeinschaft zu leben. Er hatte früher als wunderschöner, eingebildeter Specht nie bemerkt, wie einsam er gewesen war. Nun war er zwar nicht mehr der schönste Specht im Wald, aber er hatte ganz viele Freunde gefunden und war nicht mehr allein, denn die Tiere mochten ihn so viel lieber. 

 

Passend zu dieser schönen Geschichte haben wir noch diese Malvorlage mit einem Specht.

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