Schöne Ferien!

So lange die Kinder klein sind, ist die Urlaubsplanung noch relativ einfach. Schwierig wird es, wenn die Kinder ihre Wüsche und Vorstellungen mit einbringen und diese dann nicht erfüllt werden können. Aber irgendeiner profitiert meist davon, bei uns war es Max. [mehr…]

Max war unser Sorgenkind. Mit sechs Monaten konnte er sitzen, bald darauf stehen, und auch laufen lernte er fast wie von selbst. Nur mit dem Sprechen ließ er sich viel Zeit. Als Max drei Jahre alt war, würdigte er uns noch immer keines Wortes. Allenfalls gelegentlich ein "Mama" oder "Papa", und selbst das war nur mit gutem Willen als "Mama" oder "Papa" zu verstehen.

Anna und Paul, seine Geschwister, glichen dieses Manko spielend aus. Ihre Münder standen niemals still. Anna war zehn, Paul zwölf, und beide hatten eine Menge mitzureden. Insbesondere, als es um die Planung unseres Urlaubs ging.
Unsere Ferien verbrachten wir bis dato immer an der See, immer auf derselben Insel, in derselben Ferienwohnung. Wir waren glücklich dort. Der Urlaub war erholsam, auch den Kindern gefiel es ausgezeichnet. Dachten wir zumindest. Bis zu jenem Abend, an dem wir unseren nächsten Urlaub planten.
"Inseln sind ätzend!", gab Anna gleich die Richtung vor. "Ich will auf einen Reiterhof!"
Paul fand Reiten ätzend. Inseln aber auch. "Ich will in ein Computercamp!", erklärte er mit einer Miene, die Widerspruch nicht zuließ. Nur Max ließ unsere Urlaubsplanung kalt. Er saß am Tisch und kaute einen Keks.
Meine Frau und ich, wir wollten im Urlaub nichts als Ruhe und Erholung. Keine Termine, kein Stress, nur Sonne, Wind und Meer. Natürlich war uns klar, das alles würden wir nur bekommen, wenn auch die anderen bekämen, was sie wollten. Kurzum: Wollten wir uns wirklich erholen, musste uns die Quadratur des Kreises gelingen. Wir versuchten es, versprachen Anna einen Reitkurs auf der Insel, und Paul versicherten wir, dort gäbe es bestimmt auch ein Computercamp.
Gab es auf der Insel aber nicht, wie wir gleich am ersten Urlaubstag erfuhren.

"Inseln sind ätzend!", erklärte Paul daraufhin und verbrachte den Großteil seiner Zeit in unserer Ferienwohnung vor dem Fernseher. Zwischendurch telefonierte er mit seinen Freunden. Per Handy ein ziemlich teurer Spaß. Wenn wir ihn baten, mit uns an den Strand zu kommen, behauptete er, er habe einen Sonnenallergie. Und im Übrigen verkündete er mehrmals am Tag, Inseln seien ätzend.
Auch Anna machte uns in diesem Urlaub Sorgen. Denn schon am ersten Urlaubstag musste sie die Hoffnung auf einen Insel-Reitkurs fahren lassen.
"Ich hab's gewusst!", schrie Anna auf, als wir am Ankunftstag feststellen mussten, dass der Reitstall in diesem Jahr geschlossen war. Wegen Geschäftsaufgabe.
"Das hast du gewusst!" - so lautete ihr zweiter Satz und richtete sich gegen mich. Ich schüttelte entrüstet den Kopf, erklärte ihr, dass ich mir wirklich nichts sehnlicher wünschte als einen, am besten gleich zwei oder drei Reitställe mit mindestens hundert Ponys und Pferden.

"Inseln sind ätzend!", erklärte sie daraufhin und verzog sich auf ihr Zimmer.
Am nächsten Morgen fanden wir ihr Tagebuch. Normalerweise verschloss sie es penibel und ließ es niemals offen liegen. An diesem Morgen aber lag es demonstrativ auf ihrem Nachttisch.
"Noch vierzehn Tage auf dieser ätzenden Insel!!!", stand dort in großen, schwarzen Druckbuchstaben. Jeder Buchstabe ein Fanal. Und damit man diesen Satz nicht übersehen konnte, war er mit Filzstift rot umrahmt.
Nur unserem Kleinsten schien es auf der Insel zu gefallen. Er saß den ganzen Tag am Strand und spielte mit Schaufel und Förmchen im Sand. Für ihn muss es das Paradies gewesen sein. Und dann die Sensation: Er sprach seinen allerersten Satz, vollständig, laut und deutlich.
"Mama, Papa", sagte er, als wäre Sprechen für ihn völlig selbstverständlich. "Inseln sind ätzend!"

Weitere Texte zum Schmunzeln von Alfred Krüger gibt es unter Lizenz zum Schmunzeln.

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