Kinderpost

Bild: Pixabay

Kinder sind ein Quell der Freude, jedoch nicht immer exklusiv nur für die eigenen Eltern. Zuweilen erfreuen sie auch fremde Leute, und manchmal sogar die gesamte Nachbarschaft! [mehr…]

Die Geschichte beginnt an einem Montag nachmittag um vier. Anne und Martin spielten im Garten. Als es zu regnen begann, gingen sie in Martins Zimmer und bauten seine Eisenbahn auf. Dabei konnten sich die beiden ausgezeichnet unterhalten. Und während sie Schienen verlegten, Eisenbahnwaggons rangierten und Weichen stellten, waren sie unweigerlich bald bei der Frage angelangt, welchen Beruf sie später einmal ergreifen wollten. Anne wollte Pilotin werden und Martin Fernsehmoderator, vielleicht auch Briefträger, falls es mit der Karriere beim Fernsehen nicht gleich klappen sollte.
"Briefträger?", vergewisserte sich seine Schwester, während sie etliche Güterwaggons aneinander kuppelte. Martin nickte und erinnerte seine Schwester an die Kinderpost, die er zum achten Geburtstag bekommen hatte.
"Auch in jeden Bahnhof gehört eine Post", meinte Anne nun, und so bauten sie im Kinderzimmer einen Postschalter auf. Die Rollen waren rasch verteilt: ein Kunde und ein Schalterbeamter, wobei hin und wieder gewechselt werden sollte.
Bald wurde es den beiden zu langweilig, immer nur Postkarten zu stempeln und sich die Post dann gegenseitig zuzustellen. Es dauerte nicht lange, bis die Idee einer geschäftlichen Expansion ihrer Privatpost in der Luft lag.
"Man müsste die Post richtig verteilen", schlug Anne vor. "Genauso wie die echten Briefträger! Und ich weiß auch schon an wen! An unsere Nachbarn!"

Wer Post verteilen will, braucht Briefe oder Karten, die er in die Briefkästen der Nachbarn stecken kann. Deshalb setzten sich die beiden erst einmal hin und schrieben etliche Karten und Briefe für die Nachbarn. Das dauerte beiden allerdings zu lange, und sie stöhnten ob dieser schlimmen Arbeit alsbald auf. Da hatte Martin eine Idee. Er erinnerte sich an jenen Stapel Briefe, die, mit rotem Band umwickelt, auf dem Dachboden in einem Schuhkarton schlummerten. Er hatte sie damals, als er mit seiner Mutter den Dachboden aufräumte, entdeckt und die Mutter gefragt, was das denn sei.
"Ach, das sind nur ein paar alte Briefe", hatte die Mutter geantwortet. "Irgendwann kommen die ins Altpapier!"
"Ins Altpapier?", grübelte Martin jetzt vor sich hin. Dafür erschienen ihm die Briefe eigentlich zu schade, zumal er für die Uraltpost eine viel bessere Verwendung wusste. Geschwind stieg er die schmale Treppe zum Dachboden hinauf, holte den Karton mit den Briefen herunter und teilte die Briefe gerecht zwischen sich und seiner Schwester auf. Ein kurzer Blick aus dem Fenster, es hatte aufgehört zu regnen, und die Post konnte abgehen...

Nicht bei allen Nachbarn waren Anne und Martin gleichermaßen beliebt. Kein Wunder, liebte Martin es doch, gerade in der Mittagszeit mit Konservendosen laut scheppernd Fußball zu spielen. Und Annes Fahrradkünste auf dem Bürgersteig waren ebenso berühmt wie bei den Fußgängern berüchtigt. An jenem Donnerstag aber brachten die Geschwister in die Häuser ihrer Straße helle Freude und lauter schmunzelnde Gesichter...

Die Eltern erfuhren vom großen Geschäftserfolg ihrer Kinder erst als letzte und auch nur auf Umwegen. Frau Markmann, eine Nachbarin, die schräg gegenüber wohnte, hatte die beiden eifrigen Briefträger bei der Arbeit beobachtet. Zwei Tage später brachte sie den Eltern jenen Brief, der eigentlich für sie bestimmt war, wieder zurück. "Ungelesen", wie sie behauptete. "Denn", so erklärte sie den verdutzten Eltern ihren hehren Grundsatz, "ich lese nie die Liebesbriefe anderer Leute!"

Weitere Texte zum Schmunzeln von Alfred Krüger gibt es unter Lizenz zum Schmunzeln.

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