Der Kartoffelkönig

Bild: swk/kindergaudi.de

Von einem der auszog, um nicht gegessen zu werden… [mehr…]

Es war einmal eine große Kiste Kartoffeln. Die stand den Winter über im Keller der Grossmutter im alten Haus. Ich kann Euch sagen, prachtvolle Kartoffeln waren darin, eine noch dicker als die andere!
Eines Tages aber, da rief es aus der Kartoffelkiste: "Ich will nicht geschält werden! Ich will nicht gekocht werden! Und gegessen werden will ich schon gar nicht! Denn ich bin der große Kartoffelkönig!" Und das ist auch wahr gewesen! Denn mitten in der Kartoffelkiste lag der Kartoffelkönig. Der war so groß wie zwölf große Kartoffeln zusammen.

Gerade, als der Kartoffelkönig das gesagt hatte, kam die Großmutter in den Keller. Denn sie wollte ein Körbchen Kartoffeln holen. Die wollte sie schälen und zu Mittag mit Salz und Wasser kochen. Auch den Kartoffelkönig legte sie in das Körbchen und sagte: "Oh, das ist aber eine dicke Kartoffel!"
Als die Großmutter dann mit dem Körbchen aus dem Keller kam und über den Hof ging, da sprang der Kartoffelkönig, hops, aus dem Körbchen. Und er rollte so geschwind über den Hof, dass die Großmutter ihn nicht einholen konnte.
"Ach", sagte sie, "ich will die dicke Kartoffel nur laufen lassen. Vielleicht finden ein paar arme Kaninchen sie und essen sich satt daran." Der Kartoffelkönig aber rollte immer weiter.

Da begegnete ihm ein Igel. Der sagte: "Halt, dicke Kartoffel, warte ein Weilchen! Ich will dich zum Frühstück essen."
"Nein", sagte der Kartoffelkönig, "Großmutter mit der Brille hat mich nicht gefangen. Und du, Igel Stachelfell, kriegst mich auch nicht!"

Und eins, zwei, drei rollte der Kartoffelkönig weiter, bis in den Wald hinein. Da begegnete ihm das Wildschwein. "Halt, prachtvolle Kartoffel, dicke Kartoffel!" rief es. "Warte ein Weilchen! Ich will dich geschwind essen." "Nein", sagte der Kartoffelkönig. "Großmutter mit der Brille hat mich nicht gefangen. Igel Stachelfell hat mich nicht gefangen. Und du, Wildschwein Grunznickel, kriegst mich auch nicht!"

Und eins, zwei drei rollte der Kartoffelkönig weiter durch den Wald. Da begegnete ihm der Hase Langohr. Der rief: "Halt, du schöne, dicke Kartoffel! Warte ein Weilchen, Ich will dich aufessen." "Nein", sagte der Kartoffelkönig. "Großmutter mit der Brille hat mich nicht gefangen. Igel Stachelfell hat mich nicht gefangen. Wildschwein Grunznickel hat mich nicht gefangen. Und du, Hase Langohr, kriegst mich auch nicht!"

Und eins, zwei drei rollte der Kartoffelkönig weiter durch den Wald. Da begegnete ihm die Hexe Tannenmütterchen. Die sagte: "Halt, warte ein Weilchen, du leckerer Kartoffelkönig! Ich will dich kochen und essen." "Nein", sagte der Kartoffelkönig. "Großmutter mit der Brille hat mich nicht gefangen. Igel Stachelfell hat mich nicht gefangen. Wildschwein Grunznickel hat mich nicht gefangen. Hase Langohr hat mich nicht gefangen. Und du, Hexe Tannenmütterchen, kriegst mich auch nicht!"

Und eins, zwei drei rollte der Kartoffelkönig weiter durch den Wald. Da begegneten ihm zwei arme Kinder. Die hatten Hunger und sagten: "Ach, was läuft da für eine dicke Kartoffel! Wenn wir die zu Hause hätten, könnte Mutter uns einen großen Reibekuchen davon backen."

Als der Kartoffelkönig das hörte, da rollte er nicht mehr weiter. Und, hops, sprang er den armen Kindern ins Körbchen. So bekamen die Kinder einen dicken, fetten Reibekuchen des Mittags zu Haus und das Märchen ist aus.

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